Hochwasserschutz an der Mümling



Wasserverband Mümling

Die Mümling ist ein kleiner Mittelgebirgsbach, ca. 60 km lang (mit Oberläufe), der weitgehend im Odenwald verläuft. Die letzten 8 km der Mümling führen durch Bayern bis nach Obernburg, wo sie in den Main mündet (dort wird sie auch "Mömling" genannt). Das Einzugsgebiet beträgt 377 qkm.
Der Hochwasserschutz wird durch 3 weitgehend im Oberlauf liegende Rückhaltebecken sichergestellt.

Wie auch im benachbarten Gersprenzgebiet unterhalten die Anliegerkommunen einen Wasserverband, dem auch Bau und Betrieb der Anlagen obliegt.
Der Bau der Becken wurden erheblich durch das Land Hessen mitfinanziert.

HRB Marbach


Panoramabild Marbachstausee

Anders als im Gersprenzgebiet gibt es im Einzugsgebiet der Mümling ein zentrales und mächtiges Instrument zum Hochwasserschutz: Die Marbachtalsperre.
Sie wurde 1981 fertiggestellt und befindet sich am Marbach, der unterhalb mit dem Walterbach zur Mümling wird und hat ein Einzugsgebiet von ca. 55 qkm.
Dauerstauvolumen 700.000 kbm bei einer Einstaufläche von 220.000 qm, bei Hochwasser können zusätzlich 2,1 Millionen kbm gespeichert werden bis das Wasser über den Hochwasserüberlauf am Entlastungsturm läuft (diese Bauwerke werden auch Mönchsbauwerk; Kelch, Tulpe oder Trompete genannt).

Seit 1993 wird auch Strom durch eine Wasserkraftturbine im Ablauf erzeugt.

Der Marbachstausee ist landschaftsprägend und dient auch als Erholungs- und Badegewässer.


Das HRB Marbach nach der Entleerung 1995

HRB Erbach-Schönnen


Etwa 3 km unterhalb des Marbachbeckens entsteht im Erbacher Ortsteil Schönnen zur Zeit ein weiteres kleines Hochwasserrückhaltebecken. Es deckt ein Einzugsgebiet von etwa 27 qkm ab (Einzugsgeebiete Walterbach, Marbach unterhalb der Marbachsperre und Mümling bis zum Becken Schönnen). Das Becken selbst ist ungesteuert und ohne Dauerstau („Grünes Becken“) und faßt 85.000 qbm bis zum Anspringen des Hochwasserüberlaufs. Da eine Kleinwasserkraftanlage im Einstaubereich liegt, umfasst die Maßnahme auch die automatische Abriegelung des Mühlgrabens und Grundstücksentwässerung.

 


HRB Schönnen, 2. Bauabschnitt: Rückstauverschluss Mühlgraben und Grundstücksentwässerung

HRB Schönnen, 3. BA, Sperrbauwerk

HRB Bad-König Zell


Ein weiteres Becken ist bei Bad-König Zell. Das Becken wurde 2007 in Betrieb genommen.
Es ist ebenfalls ein „Grünes Becken“ und hat ein Rückhaltevolumen von 200.000 qbm.


Das HRB Zell während des Probestaus und im Bau

Ein Flug über die Mümling beim Hochwasser 1995.
Obwohl die Aufnahmen keine gute Qualität haben, kann man gut die überschwemmten Flächen erkennen.

Breuberg während des Hochwassers 1995
Breuberg während des Hochwassers 1995

Neben den hier vorgestellten technischen Hochwasserschutzmaßnahmen gibt es noch weitere Instrumente zum vorsorgenden Hochwasserschutz für das Einzugsgebiet der Mümling, die hier nur kurz angesprochen werden sollen:

Die Ausweisung der Überschwemmungsgebiete verhindert die Bebauung der Gewässerauen, damit das Hochwasser sich zunächst in der Fläche schadlos ausbreiten kann und damit das Schadenspotential nicht erhöht wird.
Die "Hochwasserrisikomanagementpläne" enthalten viele Informationen zur Ausdehnung von Hochwasserereignissen (auch über die oben genannten Überschwemmungsgebiete hinaus) und zum Objektschutz.



Duch technische Hochwasserschutzmaßnahmen und geeignetes Flächenmanagement wird die Hochwasserwahrscheinlichkeit und das Schadenspotential verringert. Aber klar ist auch:
Einen absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht. Denn es sind immer Ereignisse möglich, die das Fassungsvermögen der Becken überschreiten. Trotz aller Sorgfalt und Überwachung ist auch nicht ganz auszuschließen, dass die Dämme der Becken und auch die Deiche (die parallel zum Gewässer liegen) im Extremfall aufweichen und unterspült werden können und der Schutz dann nicht mehr gegeben ist.
Die durch den Klimawandel immer mehr in den Fokus rückenden regional begrenzten Starkregen sind unberechenbar und führen auch außerhalb der Gewässerauen und in Ortslagen zu Hochwasser. Auch höher liegende Bereiche können betroffen sein, auch durch Hangrutschungen bei wassergesättigten Böden.
Vollständigkeitshalber sei noch erwähnt, dass auch überlastete oder verlegte Kanalsysteme Hochwasser "erzeugen" können.

 

Es wird oft gefragt: Wäre eine Katastrophe wie im Kreis Ahrweiler auch hier möglich?
Im Prinzip schon. Die heftigen Überschwemmungen resultierten nicht aus regional begrenzten Starkregenereignissen- die oft genannt werden- sondern aus einem großräumigen, stärkeren Dauerregen infolge eines festsitzenden Tiefdruckgebietes. Das gesamte Einzugsgebiet wurde ca. 15 h überregnet mit bis zu 150 mm/m2 (15 l/
m2). Die maximale Stundenintensität erreichte 33 mm.
Dazu kam, dass der Boden durch die schon nasse Witterung davor vollkommen wassergesättigt war und kein Wasser mehr aufnehmen konnte. Das Wasser lief ab wie auf einer befestigten Fläche. So kamen die Wassermassen zusammen.
Die besondere Topographie im Ahrtal war der Grund für die Wucht des Hochwassers: Ein tiefeingeschnittenes Tal mit relativ großem Gefälle, eng bebaut mit einem großen Schadenspotential. Das Wasser hat wenig Platz.
Auch über dem Odenwald (und sonstwo) könnte sich ein solches Tief festsetzen mit einem entsprechenden Niederschlag. Die Hochwasserschutzanlagen würden überlaufen und hätten keine Wirkung mehr (sie sind so gebaut, dass sie jedoch nicht brechen würden). Die Täler sind im Odenwald aber nicht so steil. Die vielen vorhandenen Auenbereiche geben dem Gewässer Platz, so dass Wasserhöhen und Strömungen wie im Ahrtal nicht zu erwarten sind.
Auch sind die Gewässerauen weniger dicht bebaut und das Schadenspotential ist somit geringer. In den Unterläufen kann sich das Wasser in die Fläche ausbreiten.
Trotzdem: Auch hier würden Keller volllaufen, Menschen könnten in diesen eingeschlossen werden, die Gefahr durch Stromschläge ist vorhanden, Tiefgaragen laufen voll. 

Die Vorwarnzeiten sind besonders in den Oberläufen sehr kurz.